Der verborgene Charme der Vulkane in Süddeutschland
In Süddeutschland gibt es vier größere Vulkangebiete: den Hegau am Bodensee, den Kaiserstuhl am Oberrhein, das Uracher Gebiet auf der Schwäbischen Alb und die Vulkane der Oberpfalz. Alle sind erloschen, der jüngste Ausbruch liegt rund 300.000 Jahre zurück. Zu sehen ist von ihnen trotzdem viel, weil die Erosion das Innere der Vulkane freigelegt hat.
Hegau: Vulkane von innen
Westlich des Bodensees stehen mehrere markante Kegelberge in einer sonst sanften Landschaft: Hohentwiel, Hohenkrähen, Mägdeberg, Hohenstoffeln und Hohenhewen. Sie sind keine Vulkanberge im üblichen Sinn, sondern das, was von den Vulkanen übrig blieb, nachdem die weicheren Mäntel abgetragen waren.
Was man besteigt, ist die erstarrte Füllung des Schlots, also der Kanal, durch den vor sieben bis vierzehn Millionen Jahren Magma aufstieg. Dieses Gestein, ein Phonolith beziehungsweise Basalt, ist deutlich härter als die umgebenden Sedimente und blieb deshalb stehen, während die Landschaft um es herum abgetragen wurde.
Auf dem Hohentwiel steht die größte Festungsruine Deutschlands, was kein Zufall ist: Der Berg ragt 260 Meter über das Umland und war praktisch nicht einzunehmen. Er blieb im Dreißigjährigen Krieg trotz mehrfacher Belagerung unbezwungen.
Kaiserstuhl: ein eigener Vulkankomplex
Zwischen Freiburg und dem Rhein erhebt sich ein Gebirgsstock, der nicht zum Schwarzwald gehört und geologisch etwas ganz Eigenes ist. Der Kaiserstuhl entstand vor etwa 16 Millionen Jahren im Oberrheingraben, dort wo die Erdkruste beim Auseinanderziehen besonders dünn wurde.
Bemerkenswert ist sein Gestein. Neben Basalt und Phonolith kommen hier Karbonatite vor, extrem seltene Gesteine aus karbonatischer Schmelze, die weltweit nur an wenigen Dutzend Stellen auftreten. Der Kaiserstuhl ist eine der wenigen Fundstellen in Mitteleuropa und deshalb bei Mineralogen bekannt.
Für die meisten Besucher zählt anderes: Auf den Vulkanböden, überzogen von Löss, wächst Wein in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Die Terrassenlandschaft ist Ergebnis einer Flurbereinigung der 1970er Jahre, die heute als geologisch heikel gilt, aber den Weinbau prägt.
Uracher Gebiet: 355 Schlote in der Alb
Das größte, aber unauffälligste Gebiet liegt auf der Schwäbischen Alb rund um Bad Urach und Kirchheim unter Teck. Dort wurden über 350 einzelne Vulkanschlote kartiert, die vor etwa 11 bis 17 Millionen Jahren durch den Kalkstein der Alb brachen.
Es waren fast alles Maare, also Explosionstrichter aus dem Zusammentreffen von Magma und Grundwasser. Heute sieht man kaum noch etwas davon, weil die Trichter verfüllt und die Landschaft abgetragen wurde. Erkennbar sind sie als runde Senken, an denen der Boden abweicht, und im Aufschluss als Tuffschlote.
Einen anschaulichen Fall gibt es doch: Das Randecker Maar bei Bissingen an der Teck ist als muldenförmige Bucht im Albtrauf erhalten und seit Langem eine bekannte Fundstelle für Fossilien aus dem ehemaligen Maarsee.
Oberpfalz: die jüngsten des Südens
In Nordbayern liegt das östliche Ende der Mitteleuropäischen Vulkanprovinz. Der Rauhe Kulm bei Neustadt am Kulm ist ein freigelegter Basaltschlot, der Parkstein wird wegen seiner Säulenwand oft als schönster Basaltberg Europas bezeichnet, ein Zitat, das Alexander von Humboldt zugeschrieben wird.
Jünger als alles andere in Süddeutschland ist das benachbarte Gebiet im Egergraben knapp hinter der tschechischen Grenze: Der Železná hůrka und der Komorní hůrka brachen vor rund 300.000 Jahren aus. In derselben Region treten bis heute Kohlendioxid-Quellen und Schwarmbeben auf, die auf Bewegungen von Fluiden in der Tiefe zurückgehen.
Was kein Vulkan ist
Zwei Landschaftsformen in Süddeutschland werden regelmäßig für vulkanisch gehalten und sind es nicht. Das Nördlinger Ries ist ein Einschlagkrater: Vor knapp 15 Millionen Jahren schlug dort ein Asteroid ein und hinterließ einen Kessel von 25 Kilometern Durchmesser. Das Gestein Suevit sieht vulkanisch aus, entstand aber durch Schockdruck. Auch das kleinere Steinheimer Becken ist ein Impaktkrater.
Ebenfalls kein Vulkanismus sind die Thermalquellen von Baden-Baden oder Wiesbaden. Ihr warmes Wasser stammt aus großer Tiefe entlang von Störungen, nicht aus einer Magmakammer.
Und in Bayern südlich der Donau?
Dort gibt es keinen Vulkanismus. Die Alpen sind ein Faltengebirge aus aufgeschobenen Sedimenten, kein Vulkangebiet. Wer vom Alpenrand aus den nächsten echten Vulkan sehen will, muss über den Brenner hinaus bis nach Süditalien, wo Vesuv, Ätna und Stromboli stehen.
Den Überblick über alle deutschen Gebiete gibt der Artikel Vulkane in Deutschland, den Blick auf die Eifel der Artikel über die Vulkanmulde in der Eifel.
Quellen
- Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg - Kartierung von Hegau, Kaiserstuhl und Uracher Gebiet
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Geologie - Vulkanismus in der Oberpfalz
- Geopark Ries - warum das Nördlinger Ries ein Einschlagkrater ist