Entdecke den Vulkan in der östlichen Türkei: Eine geologische (Zeit)-Reise
Der Ararat ist mit 5.165 Metern der höchste Berg der Türkei und ein Schichtvulkan mit zwei Gipfeln. Er liegt im äußersten Osten des Landes, nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Sein letzter Ausbruch fand 1840 statt, begleitet von einem Erdbeben und einem Bergsturz, der das Kloster St. Jakob und das Dorf Ahora zerstörte.
Warum Ostanatolien so viele Vulkane hat
Die Arabische Platte schiebt sich von Süden gegen die Eurasische. Weil dazwischen kein Ozeanboden mehr liegt, der abtauchen könnte, staut sich die Bewegung: Die Kruste wird verdickt, zerbricht in Schollen und wird nach Westen herausgedrückt. Dabei reißt der Untergrund an vielen Stellen auf, und Schmelze aus dem Mantel findet Wege nach oben.
Das Ergebnis ist eine der größten Vulkanprovinzen Vorderasiens. Neben dem Ararat gehören dazu der Süphan und der Nemrut am Vansee, der Tendürek und weiter westlich der Erciyes und der Hasandağ in Kappadokien.
Der Ararat im Einzelnen
Er besteht aus zwei Kegeln: dem Großen Ararat mit 5.165 Metern und dem elf Kilometer entfernten Kleinen Ararat mit 3.925 Metern. Der Große trägt eine Eiskappe, die allerdings deutlich schrumpft. Auf Türkisch heißt er Ağrı Dağı, Berg des Schmerzes, auf Armenisch Masis.
Für drei Religionen ist er der Ort, an dem nach der Sintflut die Arche Noah aufsetzte. Die biblische Stelle nennt allerdings die Berge von Ararat, also eine Landschaft, nicht einen Gipfel; die Zuordnung zu diesem Berg entstand später. Suchexpeditionen gab es trotzdem zahlreiche, und sie förderten bislang nichts zutage.
Eine Besteigung ist als geführte Tour möglich und erfordert eine Genehmigung, weil das Gebiet militärisches Sperrgebiet grenznah ist. Technisch gilt der Weg als unschwierig, verlangt aber Höhenanpassung.
Nemrut: Vulkan mit Kratersee
Am Westufer des Vansees liegt der Nemrut, nicht zu verwechseln mit dem Nemrut Dağı mit den Königsköpfen in Südostanatolien. Dieser Nemrut ist ein Vulkan mit einer Caldera von rund acht Kilometern Durchmesser, in der mehrere Seen liegen, darunter ein warmer und ein kalter.
Er ist zugleich der Grund für den Vansee selbst: Seine Lavaströme stauten vor rund 200.000 Jahren den Abfluss und ließen den größten See der Türkei entstehen. Weil dieser See keinen Abfluss hat, ist sein Wasser stark alkalisch. Der letzte Ausbruch des Nemrut wird für 1692 vermutet.
Obsidian: der Rohstoff, der Handelswege schuf
Die ostanatolischen Vulkane lieferten einen Werkstoff, der die Steinzeit prägte. Obsidian ist vulkanisches Glas, entstanden aus rasch abgekühlter kieselsäurereicher Schmelze. Er bricht muschelig und ergibt Kanten, die schärfer sind als jedes Metallmesser.
Weil jeder Vulkan eine eigene chemische Signatur hinterlässt, lässt sich Obsidian eindeutig zuordnen. Funde aus anatolischen Vorkommen tauchen in Fundstellen bis Zypern, in die Levante und nach Mesopotamien auf, mehr als tausend Kilometer entfernt. Damit gehören diese Vulkane zu den am besten belegten Fernhandelsquellen der Jungsteinzeit.
Kappadokien: Tuff zum Wohnen
Weiter westlich, in Zentralanatolien, haben Erciyes und Hasandağ eine Landschaft geschaffen, die auf keinem anderen Weg entstehen konnte. Ihre Ascheströme legten mehrere Hundert Meter Tuff ab, weich genug, um ihn mit einfachen Werkzeugen auszuhöhlen, und fest genug, dass die Höhlen halten.
Daraus wurden Wohnungen, Kirchen und ganze unterirdische Städte wie Derinkuyu, die mehreren Tausend Menschen Zuflucht boten. Die Feenkamine entstanden, wo eine harte Deckplatte den weicheren Tuff darunter vor der Erosion schützte. Mehr zum Gestein steht im Artikel über vulkanisches Tuffgestein.
Quellen
- Smithsonian Global Volcanism Program: Ararat - Ausbruchsgeschichte und Daten
- Smithsonian Global Volcanism Program: Nemrut Dagi - Caldera und Kraterseen
- UNESCO-Welterbe Göreme und Kappadokien - Tufflandschaft und Höhlensiedlungen