Vulkanischer Mineralschlamm: Naturphänomen mit Chancen und Herausforderungen
Unter vulkanischem Mineralschlamm versteht man zwei sehr verschiedene Dinge, und sie werden häufig verwechselt. Das eine ist der Schlamm aus Schlammvulkanen und heißen Quellen, der in Kurbetrieben und Kosmetik verwendet wird. Das andere ist ein Lahar, eine Schlammlawine aus Vulkanasche und Wasser, die zu den tödlichsten Erscheinungen des Vulkanismus überhaupt zählt. Dieser Artikel behandelt beides und trennt es sauber.
Schlammvulkane: Schlamm, aber keine Lava
Ein Schlammvulkan sieht aus wie ein Vulkan im Miniaturformat: ein Kegel von wenigen Zentimetern bis einigen Hundert Metern, oben eine Öffnung, aus der es blubbert. Was austritt, ist aber kein geschmolzenes Gestein, sondern eine Mischung aus Wasser, feinem Ton und Gas, meist Methan.
Die meisten Schlammvulkane haben mit Magma gar nichts zu tun. Sie entstehen, wo Gas aus tiefen Sedimentschichten aufsteigt und dabei tonreiches Material mitreißt, etwa in Aserbaidschan, wo die größten Felder der Welt liegen, oder auf Sizilien bei den Macalube di Aragona. Ihr Schlamm ist kühl.
Daneben gibt es echte vulkanische Schlammtöpfe, und die sind heiß. Sie stehen in Geothermalgebieten wie dem Yellowstone, auf Island oder in Rotorua in Neuseeland. Dort löst saurer Dampf das Gestein im Untergrund chemisch auf und verwandelt es in Ton. Was blubbert, ist zersetztes Gestein, gerührt von aufsteigendem Dampf. Solche Töpfe werden über 90 Grad heiß, und ihre Farbe verrät die Chemie: Grau kommt vom Ton, Rot und Ocker von Eisenverbindungen, Weiß von ausgefälltem Schwefel.
Was im Kurbetrieb verwendet wird
Der Schlamm aus solchen Quellen wird seit der Antike für Bäder und Packungen genutzt. In Italien heißt er Fango, was schlicht Schlamm bedeutet; in Abano und Montegrotto bei Padua wird er in eigenen Becken monatelang mit Thermalwasser gereift, bevor er zum Einsatz kommt. Auf Vulcano bei Sizilien gibt es ein bekanntes Schlammbecken, auf Island das Kieselgel der Blauen Lagune, in der Türkei die Schlammquellen von Dalyan.
Was diesen Schlamm ausmacht, ist physikalisch gut beschreibbar: Er speichert Wärme und gibt sie langsam ab, was ihn für Wärmeanwendungen brauchbar macht. Er enthält je nach Herkunft Schwefelverbindungen, Kieselsäure, Eisen und Salze. Zu medizinischen Wirkungen gibt es Studien vor allem aus der Balneologie zu Fangoanwendungen bei Gelenkbeschwerden; belastbare Aussagen zu einzelnen Schlämmen oder Inhaltsstoffen lassen sich daraus nicht ableiten, und Heilwirkungen sollte man von Kosmetikprodukten nicht erwarten.
Ein praktischer Hinweis zum Baden in natürlichen Schlammtöpfen: Die heißen Varianten in Geothermalgebieten sind kein Badeort. Temperatur und Säuregehalt können erheblich sein, und der Boden um solche Becken ist oft dünn überkrustet. In Nationalparks wie Yellowstone ist das Verlassen der Stege deshalb verboten, und es hat dort immer wieder tödliche Unfälle gegeben.
Lahare: wenn Vulkanasche zu Beton wird
Der andere vulkanische Schlamm ist eine Katastrophe. Ein Lahar entsteht, wenn Wasser lockere Vulkanasche aufnimmt, Regen etwa, oder Schmelzwasser aus einem Gletscher, den ein Ausbruch erwärmt hat. Das Gemisch fließt talwärts, nimmt unterwegs weiteres Material auf und verhält sich dabei wie nasser Beton: Es kann Blöcke von mehreren Metern transportieren, Brücken wegdrücken und mit über 50 Kilometern pro Stunde fließen.
Das schlimmste Beispiel ist der Nevado del Ruiz in Kolumbien. Am 13. November 1985 schmolz ein vergleichsweise kleiner Ausbruch einen Teil der Gipfelvereisung. Die Lahare liefen die Täler hinunter und erreichten nach gut zwei Stunden die Stadt Armero, rund 50 Kilometer entfernt. Über 23.000 Menschen starben, obwohl der Vulkan selbst kaum etwas ausgeworfen hatte.
Tückisch sind Lahare vor allem, weil sie noch Jahre nach einem Ausbruch auftreten. Solange lockere Asche an den Flanken liegt, reicht ein starker Regen. Am Merapi und am Pinatubo gehören solche verspäteten Schlammströme zum Alltag, und in beiden Gebieten wurden Dämme und Auffangbecken gebaut, um sie zu lenken.
Warum Vulkanasche so fruchtbar ist
Was Lahare zur Gefahr macht, macht die Böden reich. Frische Vulkanasche besteht aus feinem, ungeordnetem Glas mit großer Oberfläche. Sie verwittert schnell und setzt dabei Kalium, Phosphor, Magnesium und Spurenelemente frei, die Pflanzen direkt aufnehmen können.
Diese Böden heißen Andosole und zählen zu den fruchtbarsten der Erde. Sie sind der Grund, warum in Indonesien und auf den Philippinen Millionen Menschen direkt an aktiven Vulkanen leben. Der Preis dafür ist bekannt und wird seit Jahrhunderten bezahlt.
Quellen
- USGS: Lahars and Their Effects - Entstehung, Reichweite und Schutzmaßnahmen
- National Park Service: Hydrothermale Erscheinungen im Yellowstone - wie heiße Schlammtöpfe entstehen
- Smithsonian Global Volcanism Program: Nevado del Ruiz - Ausbruch von 1985 und Folgen