Gefährlichste Vulkane der Welt: Die Großen Fünf und ihre Eindringlichen Geschichten
Den einen gefährlichsten Vulkan gibt es nicht, weil Gefahr zwei Größen zugleich meint: wie heftig ein Vulkan ausbrechen kann und wie viele Menschen dann getroffen würden. Nach der zweiten Größe führt der Vesuv fast jede Liste an: In seinem Gefahrenbereich leben rund 600.000 Menschen, in der Metropolregion Neapel über drei Millionen. Fachlich verbindlich ist eine andere Liste, die der Decade Volcanoes.
Die Decade Volcanoes
Die Internationale Vereinigung für Vulkanologie benannte in den 1990er Jahren 16 Vulkane, die wegen ihrer Gefährlichkeit und ihrer Nähe zu Städten besonders erforscht werden sollten. Es ist keine Rangliste, sondern ein Forschungsprogramm, und genau deshalb die brauchbarste Antwort auf die Frage.
| Vulkan | Land | Warum |
|---|---|---|
| Vesuv | Italien | 600.000 Menschen in der roten Zone |
| Merapi | Indonesien | Glutlawinen, Millionen am Fuß des Bergs |
| Ätna | Italien | dichte Besiedlung, ständige Tätigkeit |
| Santorin | Griechenland | Caldera mit Geschichte großer Ausbrüche |
| Nyiragongo | DR Kongo | extrem dünnflüssige Lava direkt über Goma |
| Mount Rainier | USA | Lahare bis in die Vororte von Tacoma |
| Popocatépetl | Mexiko | 25 Millionen Menschen im Umkreis von 100 km |
| Sakurajima | Japan | Ascheregen auf Kagoshima, fast täglich |
| Taal | Philippinen | Caldera mit See, dicht besiedeltes Umland |
| Unzen | Japan | Glutlawinen, 43 Tote 1991 |
Die Liste umfasst außerdem Avachinsky-Koryaksky in Kamtschatka, Colima in Mexiko, Galeras in Kolumbien, Mauna Loa auf Hawaii, Teide auf Teneriffa und Ulawun in Papua-Neuguinea.
Warum der Vesuv obenauf steht
Der Vesuv ist kein besonders großer Vulkan und seit 1944 nicht mehr ausgebrochen. Gefährlich ist er durch seine Lage. Am Hang stehen Wohnhäuser bis weit hinauf, und der italienische Zivilschutz plant für den Ernstfall die Evakuierung von rund 600.000 Menschen aus 25 Gemeinden, die sogenannte rote Zone.
Solche Pläne funktionieren nur mit ausreichend Vorwarnzeit. Gerechnet wird mit 72 Stunden ab Alarm, und selbst das gilt als knapp. Erschwerend kommt hinzu, dass der Vesuv nach langer Ruhe zu einem explosiveren Ausbruch neigen dürfte als nach kurzen Pausen; die Schmelze in der Kammer wird über die Zeit zäher und gasreicher.
Westlich von Neapel liegt zudem ein zweites System, das in dieser Liste meist fehlt: die Phlegräischen Felder. Sie sind eine Caldera von zwölf Kilometern Durchmesser, in der ein Teil der Stadt selbst steht, und sie heben sich seit Jahren. Mehr dazu im Artikel über den Vulkan bei Neapel.
Woran Menschen bei Ausbrüchen tatsächlich sterben
Lava tötet fast nie: Sie ist langsam genug, um wegzugehen. Die Todesursachen sind andere:
- Pyroklastische Ströme: bodennahe Wolken aus Gas und Glut, mehrere Hundert Grad heiß, schneller als ein Auto. Sie forderten die Opfer in Pompeji, in Saint-Pierre 1902, am Merapi 2010 und am Fuego 2018.
- Lahare: Schlammströme aus Asche und Wasser. Der Nevado del Ruiz tötete 1985 über 23.000 Menschen in Armero, 50 Kilometer vom Vulkan entfernt.
- Tsunamis: ausgelöst durch Flankenrutschungen oder Explosionen. Krakatau 1883 mit über 36.000 Toten, Anak Krakatau 2018 mit über 400.
- Hunger und Folgeschäden: historisch die größte Zahl. Nach Laki 1783 und Tambora 1815 starben mehr Menschen an Ernteausfällen als am Ausbruch selbst.
Der Unterschied zwischen Gefahr und Risiko
In der Fachsprache ist das nicht dasselbe. Gefahr beschreibt, was ein Vulkan tun kann. Risiko beschreibt, was das für Menschen bedeutet, und ist damit auch eine Frage von Vorsorge.
Das zeigt sich an zwei Gegenbeispielen. Der Pinatubo brach 1991 gewaltig aus, aber weil rechtzeitig evakuiert wurde, starben rund 850 statt vieler Zehntausend. Auf La Palma zerstörte die Lava 2021 etwa 3.000 Gebäude, forderte aber kein einziges direktes Todesopfer. Gute Überwachung verändert das Risiko, nicht die Gefahr.
Umgekehrt bleibt das Risiko dort hoch, wo die Überwachung schwach ist. Beim Nyiragongo gab es 2021 keine offizielle Vorwarnung, weil dem Observatorium in Goma die Mittel fehlten. Und phreatische Ausbrüche, bei denen nur Grundwasser verdampft, kündigen sich kaum an, wie 2014 am japanischen Ontake mit 63 Toten.
Und der stärkste Ausbruch?
Der stärkste der historischen Zeit war der Tambora 1815 auf Sumbawa, ein VEI 7. Er verursachte das Jahr ohne Sommer 1816. Noch größere Ausbrüche liegen in der Vorgeschichte: der Toba auf Sumatra vor rund 74.000 Jahren, ein VEI 8, oder die letzten großen Ausbrüche des Yellowstone. Solche Ereignisse treten alle paar Zehntausend Jahre auf, und in der Gegenwart war noch keines davon zu beobachten.
Quellen
- Smithsonian Global Volcanism Program - Ausbruchsgeschichte und VEI-Werte
- Protezione Civile: Notfallplan Vesuvgebiet - rote Zone und Evakuierungsplanung
- USGS: Lahars - Reichweite und Todesursachen