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Der gewaltigste Vulkanausbruch im Sonnensystem: Rekord-Eruption auf Jupitermond Io

Infrarotbild des Jupitermondes Io mit Gradnetz, ein heller Hitzefleck markiert das Ausbruchsgebiet
Infrarotaufnahme des Juno-Instruments JIRAM vom 27. Dezember 2024: der Hitzefleck der Eruption südlich des Io-Äquators - Bild: NASA/JPL-Caltech/SwRI/ASI/INAF/JIRAM

Der Jupitermond Io ist die vulkanisch aktivste Welt des Sonnensystems: über 400 aktive Vulkane auf einem Körper von der Größe unseres Mondes. Ende 2024 entdeckte die NASA-Sonde Juno dort eine Eruption, die selbst für Io außergewöhnlich ist. Das zugehörige Vulkangebiet erstreckt sich über eine Fläche, die größer ist als Bayern, und strahlt ein Vielfaches der Energie ab, die alle irdischen Vulkane zusammen freisetzen.

Warum Io überhaupt Vulkane hat

Auf der Erde stammt die Wärme, die Gestein schmilzt, aus dem Zerfall radioaktiver Elemente und aus der Restwärme der Entstehung. Io hat eine andere Quelle: Gezeitenreibung.

Der Mond umkreist Jupiter in 42,5 Stunden auf einer leicht elliptischen Bahn. Weil die Nachbarmonde Europa und Ganymed regelmäßig an ihm zerren, kann sich diese Bahn nicht rundziehen. Io wird also ständig unterschiedlich stark von Jupiters Schwerkraft verformt, seine Oberfläche hebt und senkt sich dabei um bis zu hundert Meter. Diese dauernde Knetarbeit erzeugt Reibungswärme im Inneren, und die reicht aus, um große Teile des Mondes geschmolzen zu halten.

Das Ergebnis ist eine Welt ohne Einschlagkrater. Auf Io wird die Oberfläche so schnell von Auswurf und Lava überdeckt, dass Krater keine Zeit haben, sich zu erhalten. Geologisch ist Io damit die jüngste Oberfläche des Sonnensystems.

Was Juno gemessen hat

Die Sonde beobachtete Io mit einem Infrarot-Instrument, das Wärmestrahlung erfasst. Im Dezember 2024 registrierte sie südlich des Äquators eine Hitzequelle von einer Ausdehnung, die kein einzelner Krater erklären kann: Es handelt sich um ein ganzes System aus Lavaströmen und Seen, das gleichzeitig ausbricht.

Zum Vergleich: Ein großer irdischer Ausbruch fördert einige Kubikkilometer Material. Io wirft im Jahresmittel so viel aus, dass seine Oberfläche pro Jahrhundert um mehrere Zentimeter wächst. Die dabei abgestrahlte Wärmeleistung liegt bei mehr als dem Zwanzigfachen dessen, was die gesamte Erde an Erdwärme abgibt.

Wie Ausbrüche auf Io aussehen

Io hat praktisch keine Atmosphäre, und das verändert alles. Ausgeworfenes Material wird nicht gebremst und fliegt auf ballistischen Bahnen, weshalb Ios Vulkane Fontänen erzeugen, die mehrere Hundert Kilometer hoch aufsteigen und dabei schirmförmig auseinanderlaufen. Die Raumsonde Voyager 1 fotografierte 1979 eine solche Fontäne und lieferte damit den ersten Nachweis von aktivem Vulkanismus außerhalb der Erde.

Die Farben der Oberfläche, gelb, orange, weiß und schwarz, kommen von Schwefel und Schwefeldioxid, die als Frost niederschlagen. Die Lava selbst ist dagegen silikatisch wie auf der Erde, nur deutlich heißer: Messungen deuten auf über 1.300 Grad, was auf Schmelzen hinweist, wie sie auf der Erde nur in der Frühzeit vorkamen.

Warum das für die Erde interessant ist

Io ist ein Labor für Vulkanismus unter extremen Bedingungen. Weil dort keine Atmosphäre, kein Wasser und keine Plattentektonik stören, lassen sich Vorgänge beobachten, die auf der Erde immer überlagert sind.

Zweitens liefert die Gezeitenheizung einen Mechanismus, der auch anderswo zählt: Auf dem Jupitermond Europa und dem Saturnmond Enceladus hält dieselbe Kraft Wasserozeane unter einer Eiskruste flüssig, und dort sucht man nach Spuren von Leben. Wer verstehen will, wie viel Wärme Gezeiten erzeugen können, misst das am besten dort, wo die Wirkung am stärksten ist.

Und drittens ist Io ein Blick zurück. Die frühe Erde war ebenfalls von Magmaozeanen und weit heftigerem Vulkanismus geprägt. Mehr zu den Grundlagen steht im Artikel darüber, wie Vulkane entstehen, und ein Größenvergleich im Artikel über den größten Vulkan der Welt, in dem auch der Olympus Mons auf dem Mars vorkommt.

Wie es weitergeht

Juno umkreist Jupiter seit 2016 und hat seine Bahn inzwischen so verschoben, dass mehrere nahe Vorbeiflüge an Io möglich wurden, der dichteste in rund 1.500 Kilometern Abstand. Die Auswertung dieser Daten läuft weiter.

Eine eigene Io-Mission gibt es bislang nicht. Die europäische Sonde JUICE und die NASA-Mission Europa Clipper sind unterwegs zu den Eismonden Ganymed, Kallisto und Europa; beide werden Io allenfalls aus der Ferne beobachten. Vorschläge für einen Io Volcano Observer liegen seit Jahren vor, beschlossen ist keiner.

Quellen