Faszination Vulkan Sizilien: Eine Reise durch Geschichte, Aktivität und Kultur
Der Ätna an der Ostküste Siziliens ist der höchste aktive Vulkan auf dem europäischen Festland und einer der aktivsten der Erde. Er misst rund 3.357 Meter, wobei sich dieser Wert bei jedem größeren Ausbruch ändert, und er war zuletzt 2026 tätig. Dazu kommen die Vulkane der vorgelagerten Äolischen Inseln, allen voran Stromboli.
Warum der Ätna ein Sonderfall ist
Er steht an einer geologisch verwickelten Stelle. Die Afrikanische Platte schiebt sich unter die Eurasische, gleichzeitig zieht die Kruste unter Ostsizilien auseinander. Diese Mischung erklärt, warum sein Magma anders zusammengesetzt ist als das der klassischen Subduktionsvulkane: Vorherrschend sind Trachybasalt und verwandte Gesteine, also vergleichsweise dünnflüssige Schmelzen.
Daraus folgt sein Verhalten. Der Ätna produziert überwiegend Lavaströme und Lavafontänen, seltener die großen Aschewolken, die andere Vulkane berüchtigt machen. Deshalb kann man ihm vergleichsweise nahe kommen, und deshalb gilt er als einer der am besten untersuchten Vulkane überhaupt.
Vier Gipfelkrater und 300 Nebenkrater
Was von Catania aus wie ein Berg aussieht, ist oben ein System aus mehreren aktiven Kratern: Nordostkrater, Voragine, Bocca Nuova und Südostkrater. Ihre Zahl und Form ändert sich laufend, neue Kegel wachsen, alte brechen ein.
Dazu kommen über 300 Nebenkrater an den Flanken. Sie entstehen, wenn Magma nicht bis zum Gipfel steigt, sondern sich seitlich einen Weg sucht. Diese Flankenausbrüche sind für die Orte am Berg das größere Risiko, weil sie tiefer ansetzen. 1669 erreichte ein solcher Strom die Stadtmauern von Catania, 1928 wurde der Ort Mascali vollständig überflossen.
Leben am Berg
Rund um den Ätna leben etwa eine Million Menschen, so dicht wie an kaum einem anderen aktiven Vulkan Europas. Der Grund ist der Boden: Verwitterte Vulkanasche ist außerordentlich fruchtbar. An den Hängen wachsen Wein, Zitrusfrüchte, Oliven und Pistazien, und die Ätna-Weine aus Lagen bis 1.000 Meter Höhe haben in den letzten zwanzig Jahren internationalen Ruf erlangt.
Seit 1987 ist der Berg Nationalpark, seit 2013 UNESCO-Welterbe, ausdrücklich auch wegen seiner Bedeutung für die Vulkanforschung. Die Aufzeichnungen über seine Ausbrüche reichen mehr als zweitausend Jahre zurück, was ihn zu einem der längsten dokumentierten Vulkane der Welt macht.
Den Ätna besuchen
Zwei Zugänge sind erschlossen. Auf der Südseite führt von Nicolosi eine Straße zum Rifugio Sapienza auf 1.900 Meter, von dort eine Seilbahn und Geländebusse weiter hinauf. Die Nordseite über Linguaglossa und Piano Provenzana ist ruhiger und landschaftlich herber.
Wie weit man hinaufdarf, entscheidet die Lage. Der Gipfelbereich ist nur mit Bergführer zugänglich und bei Aktivität gesperrt. Für eine Wanderung reicht das aber ohnehin nicht aus: Die lohnenden Ziele sind die Silvestri-Krater am Rifugio, die Lavahöhle Grotta del Gelo und die Valle del Bove, ein gewaltiger Einbruchskessel an der Ostflanke.
Praktisch: Oben ist es auch im Sommer kalt und windig, Schuhwerk mit festem Profil ist nötig, weil der Untergrund aus scharfkantiger Lava und rutschiger Asche besteht. Mehr dazu im Artikel über das Wandern am Vulkan.
Die Äolischen Inseln
Nördlich von Sizilien liegt ein Bogen aus sieben Inseln, die ebenfalls vulkanisch sind. Stromboli wirft seit mindestens tausend Jahren mehrmals stündlich Glutfetzen aus und trägt deshalb den Beinamen Leuchtturm des Mittelmeers. Vulcano brach zuletzt 1890 aus, entgast aber weiter kräftig und hat der gesamten Erscheinung ihren Namen gegeben: Die Römer hielten die Insel für die Schmiede des Feuergotts Vulcanus.
Von Milazzo an der Nordküste Siziliens fahren täglich Fähren. Eine Abendfahrt zum Stromboli, bei der man die glühenden Auswürfe über die Sciara del Fuoco ins Meer rollen sieht, gehört zum Eindrücklichsten, was der Mittelmeerraum vulkanisch zu bieten hat.
Quellen
- INGV Catania - Überwachung des Ätna, tägliche und wöchentliche Berichte
- Smithsonian Global Volcanism Program: Etna - Ausbruchsgeschichte seit der Antike
- UNESCO-Welterbe Mount Etna - Begründung der Aufnahme