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Der Vulkan Merapi Ausbruch: Die ständige Bedrohung in Indonesien

Vulkanberg Merapi auf Java, Indonesien
Vulkanberg Merapi auf Java, Indonesien - Bildnachweis: @ gagarych via Depositphotos

Der Merapi auf Java bricht seit 2020 ohne Unterbrechung aus. Das klingt dramatischer, als es sich anfühlt: Der Vulkan drückt zähe Lava in seinen Gipfelkrater, wo sie einen Dom aufbaut. Wird der zu steil, bricht ein Stück ab und rast als Glutlawine die Flanke hinunter. Im Sommer 2026 gingen solche Lawinen fast täglich ab, die meisten reichten ein bis zwei Kilometer weit nach Westen und Südwesten. Stand: September 2026.

Wie der Merapi ausbricht

Sein Magma ist kieselsäurereich und damit zäh. Es fließt nicht als Strom davon, sondern staut sich über der Öffnung zu einem Lavadom, einem Buckel aus zähem, langsam erstarrendem Gestein. Solange der Dom wächst, passiert wenig. Gefährlich wird der Moment, in dem er kollabiert.

Dann stürzt heißes Gestein zusammen mit Gas hangabwärts, als pyroklastischer Strom. Solche Glutlawinen sind mehrere Hundert Grad heiß, erreichen Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde und folgen den Tälern. In Indonesien heißen sie awan panas, heiße Wolke. Sie sind die Todesursache bei fast allen Opfern des Merapi, nicht die Lava und nicht die Asche.

2010: der schwerste Ausbruch seit über einem Jahrhundert

Ende Oktober und im November 2010 brach der Merapi heftiger aus als seit 1872. Die Glutlawinen reichten bis zu 15 Kilometer weit, weit über die bis dahin angenommene Gefahrenzone hinaus. Rund 350 Menschen starben, etwa 350.000 mussten ihre Dörfer verlassen.

Unter den Opfern war Mbah Maridjan, der vom Sultan von Yogyakarta eingesetzte Hüter des Bergs. Seine Aufgabe war es, den Vulkan zu besänftigen, und er weigerte sich, seinen Posten zu verlassen. Sein Tod steht bis heute für den Konflikt zwischen traditioneller Ordnung und behördlicher Evakuierung, der jede Räumung am Merapi begleitet.

Nach 2010 wurden die Gefahrenzonen neu gezogen und ein Netz aus Sirenen, Fluchtwegen und Sammelplätzen aufgebaut. Die Wirkung zeigte sich in der aktuellen Phase: Trotz jahrelanger Aktivität und regelmäßiger Glutlawinen hat es seit 2020 keine Todesopfer durch den Merapi gegeben.

Warum Millionen Menschen an seinem Fuß leben

Der Merapi liegt rund 25 Kilometer nördlich von Yogyakarta, einer Stadt mit über 400.000 Einwohnern, und im Umkreis von 30 Kilometern leben mehrere Millionen Menschen. Das ist kein Leichtsinn, sondern eine Rechnung, die seit Jahrhunderten aufgeht.

Vulkanasche verwittert zu außergewöhnlich fruchtbarem Boden. Javas Reisterrassen tragen deshalb bis zu drei Ernten im Jahr, und die Insel ernährt auf der Fläche von Nordrhein-Westfalen und Bayern zusammen über 150 Millionen Menschen. Dazu kommt der Sandabbau: Das vom Berg gespülte Material ist begehrter Baustoff, und in den Flusstälern arbeiten Tausende damit. Genau diese Täler sind zugleich die Bahnen der Glutlawinen und der Lahare, der Schlammströme, die bei starkem Regen aus lockerer Asche entstehen.

Wie der Merapi überwacht wird

Der indonesische Vulkandienst betreibt am Berg mehrere Beobachtungsposten mit Seismometern, Neigungsmessern, Gassensoren und Kameras. Die Warnstufen reichen von I (normal) bis IV (Gefahr), und daran hängen feste Sperrzonen: Ab Stufe III wird der Radius um den Gipfel geräumt, in dem Glutlawinen erwartet werden.

Ein Aufstieg auf den Gipfel ist seit 2010 nicht mehr erlaubt. Möglich sind Wanderungen im Vorland und die sogenannten Lava-Touren mit Geländewagen durch die Aschefelder, die die Dörfer von 2010 begruben. Ein Museum in Kaliadem zeigt einen von der Glut verformten Hausrat und ist damit eines der eindrücklichsten Vulkanmuseen überhaupt.

Der Merapi im Vergleich

Er gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, und das liegt nicht an seiner Größe. Mit 2.910 Metern ist er für indonesische Verhältnisse durchschnittlich, und seine Ausbrüche erreichen selten eine Stärke, die in der Erdgeschichte auffallen würde. Gefährlich machen ihn drei Dinge zusammen: die zähe Schmelze, die Glutlawinen erzeugt, die kurzen Abstände von wenigen Jahren zwischen den Ausbrüchen und die Zahl der Menschen in Reichweite. Wer nach den gefährlichsten Vulkanen sucht, findet ihn deshalb regelmäßig auf den vorderen Plätzen, zusammen mit dem Vesuv und dem Nyiragongo.

Quellen