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Vulkane in Deutschland: Eine faszinierende geologische Geschichte

Laacher See hinter der Abtei Maria Laach in Rheinland-Pfalz
Laacher See hinter der Abtei Maria Laach in Rheinland-Pfalz - Bildnachweis: @ donogl via Depositphotos

In Deutschland gibt es mehrere Tausend einzelne Vulkanbauten, verteilt auf rund ein Dutzend Gebiete. Ausgebrochen ist zuletzt das Ulmener Maar in der Eifel vor etwa 11.000 Jahren. Damit ist Deutschland vulkanisch nicht erloschen, sondern ruhend: Unter der Eifel steigt weiterhin Kohlendioxid magmatischen Ursprungs auf, und Erdbeben in großer Tiefe zeigen Bewegungen von Schmelze.

Die Vulkangebiete im Überblick

GebietLandletzte TätigkeitKennzeichen
WesteifelRheinland-Pfalzvor 11.000 Jahrenrund 240 Kegel und Maare
OsteifelRheinland-Pfalzvor 13.000 JahrenLaacher See, größter Ausbruch Mitteleuropas
VogelsbergHessenvor 15 Mio. Jahrengrößtes zusammenhängendes Basaltgebiet Mitteleuropas
RhönHessen, Bayern, Thüringenvor 11 Mio. JahrenBasaltkuppen, Wasserkuppe
SiebengebirgeNordrhein-Westfalenvor 25 Mio. JahrenDrachenfels, Trachytkuppen
WesterwaldRheinland-Pfalzvor 25 Mio. JahrenBasaltdecken, Tonvorkommen
KaiserstuhlBaden-Württembergvor 16 Mio. Jahreneigenständiger Vulkankomplex am Oberrhein
HegauBaden-Württembergvor 7 Mio. Jahrenfreigelegte Schlotfüllungen, Hohentwiel
Uracher GebietBaden-Württembergvor 11 Mio. Jahrenüber 350 Schlote auf der Schwäbischen Alb
Oberpfalz und EgergrabenBayernvor 300.000 JahrenRauher Kulm, Železná hůrka jenseits der Grenze

Der letzte Ausbruch

Er fand in der Vulkaneifel statt. Das Ulmener Maar entstand vor rund 11.000 Jahren und ist damit der jüngste Vulkan Deutschlands. Kurz davor, vor etwa 13.000 Jahren, brach der Laacher See aus, und das war das weit größere Ereignis: rund sechs Kubikkilometer Auswurf, eine Aschelage von Schweden bis Norditalien, ein aufgestauter Rhein und eine Flutwelle, als der Damm brach.

Weil das Westeifel-Vulkanfeld damit im Holozän aktiv war, führt das internationale Verzeichnis es als aktiven Vulkan. Die Osteifel mit dem Laacher See liegt knapp davor und zählt formal zum Pleistozän.

Der größte deutsche Vulkan

Der Vogelsberg in Hessen. Er ist kein Kegel, sondern ein flacher Schild von rund 2.500 Quadratkilometern, aufgebaut aus zahllosen Basaltdecken über etwa sechs Millionen Jahre hinweg. Das Gesteinsvolumen wird auf über 500 Kubikkilometer geschätzt, womit er das größte zusammenhängende Basaltgebiet Mitteleuropas bildet.

Von einem Vulkan sieht man dort nichts mehr; erkennbar ist er als sanfte Aufwölbung mit hervorragenden Böden. Der Basalt liefert bis heute Schotter, und das Gebiet ist ein bedeutender Grundwasserspeicher für das Rhein-Main-Gebiet.

Was man dem Gelände noch ansieht

Ein alter Vulkan sieht selten aus wie ein Vulkan. Über Millionen Jahre trägt die Erosion den lockeren Kegel ab, übrig bleibt das, was am härtesten ist: die erstarrte Schlotfüllung. Sie steht dann als steiler Felsberg in der Landschaft, obwohl sie einmal das Innere eines Berges war.

Der Hohentwiel im Hegau ist das Lehrbuchbeispiel, ebenso der Drachenfels im Siebengebirge und die Basaltkuppen der Rhön. Solche Härtlinge sind der Grund, warum auf ihnen so oft Burgen stehen: Sie boten die besten Wehrlagen weit und breit.

Warum es in Deutschland überhaupt Vulkane gibt

Deutschland liegt weit von jeder Plattengrenze entfernt. Der Vulkanismus hier gehört zur Mitteleuropäischen Vulkanprovinz und hängt mit der Alpenbildung zusammen: Beim Zusammenschub Europas mit Afrika wurde die Kruste nördlich der Alpen gedehnt, es entstanden Gräben wie der Oberrheingraben und die Niederrheinische Bucht, und entlang dieser Schwächezonen fand Schmelze aus dem Mantel einen Weg nach oben.

Unter der Eifel vermuten Fachleute zusätzlich einen kleinen Manteldiapir, einen aufsteigenden Wärmestrom. Ob es sich um einen echten Hotspot handelt, ist umstritten; die Hebung der Region und die tiefen Erdbeben sprechen dafür, dass dort noch etwas in Bewegung ist.

Wohin man fahren kann

Am ergiebigsten ist die Vulkaneifel mit ihren Maaren und Lavakellern. Im Süden lohnen Hegau, Kaiserstuhl und das Uracher Gebiet, beschrieben im Artikel über Vulkane in Süddeutschland. Dazu kommen das Vulkanmuseum im Vogelsberg, der Drachenfels im Siebengebirge und in Bayern der Rauhe Kulm.

Quellen