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Vulkanausbruch in Tonga: "Ein Blick auf Ursachen und Auswirkungen"

Am 15. Januar 2022 explodierte im Südpazifik der unterseeische Vulkan Hunga Tonga-Hunga Haʻapai. Die Aschewolke stieg 57 Kilometer hoch und durchstieß als erste je gemessene Vulkanwolke die Stratopause. Die Druckwelle lief mehrfach um die Erde, ein Tsunami traf die Inseln Tongas mit Wellen von über 19 Metern. Sechs Menschen starben, vier in Tonga und zwei in Peru.

Warum dieser Ausbruch alle Rekorde brach

Der Vulkan liegt rund 65 Kilometer nördlich der Hauptinsel Tongatapu. Sein Gipfel lag zum Zeitpunkt des Ausbruchs etwa 150 Meter unter der Meeresoberfläche, und genau diese Tiefe war entscheidend. Wäre er tiefer gelegen, hätte der Wasserdruck die Explosion gedämpft. Läge er über Wasser, hätte das Meerwasser gefehlt.

So aber traf Magma auf Wasser in einem Verhältnis, das die Energie maximal verstärkt. Das Wasser verdampfte schlagartig und zerriss die Schmelze in feinste Partikel, was den Vorgang weiter beschleunigte. Zum Vergleich: Die Wolke des Pinatubo 1991, bis dahin Rekordhalter, erreichte 40 Kilometer. Hunga Tonga kam auf 57.

Die Druckwelle, die man weltweit messen konnte

Die Explosion erzeugte eine atmosphärische Druckwelle, die Barometer rund um den Globus registrierten, in Mitteleuropa mehrfach, weil sie die Erde mehrmals umrundete. Die Detonation war noch in über 2.000 Kilometern Entfernung in Neuseeland zu hören, einzelne Meldungen kamen aus Alaska, fast 10.000 Kilometer entfernt.

Diese Druckwelle hatte einen ungewöhnlichen Nebeneffekt: Sie löste ihrerseits Wellen an Küsten aus, die der eigentliche Tsunami gar nicht erreicht hätte. Im Mittelmeer und in der Karibik stiegen Pegel messbar an, obwohl beide Meere vom Pazifik durch Landmassen getrennt sind.

Was der Ausbruch mit dem Klima machte

Große Ausbrüche kühlen die Erde normalerweise ab, weil sie Schwefeldioxid in die Stratosphäre bringen. Hunga Tonga war anders: Weil er unter Wasser stattfand, schleuderte er vor allem Wasserdampf nach oben, schätzungsweise 100 bis 150 Millionen Tonnen, und erhöhte den Wasserdampfgehalt der Stratosphäre damit um mehrere Prozent.

Wasserdampf ist ein Treibhausgas. Dieser Ausbruch dürfte also leicht erwärmend gewirkt haben statt kühlend, was ihn zu einem Sonderfall macht. Die Größenordnung ist gering und liegt weit unter dem menschengemachten Effekt, aber der Vorgang beschäftigt die Atmosphärenforschung bis heute, weil sich der Wasserdampf jahrelang in der Stratosphäre hält.

Die Folgen für Tonga

Der Ascheniederschlag verseuchte Regenwasserzisternen, von denen die Bevölkerung abhängt, und vernichtete Ernten. Auf den Inseln Mango und Fonoifua wurde nahezu jedes Gebäude zerstört, die Bewohner mussten umgesiedelt werden.

Dazu kam eine Trennung von der Außenwelt: Die Explosion zerriss das einzige unterseeische Glasfaserkabel, das Tonga mit dem Internet verbindet. Fünf Wochen lang war das Land nur über Satellit erreichbar, was die Hilfe erheblich erschwerte. Der Inselstaat hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Corona-Fälle und musste die eintreffende Hilfe kontaktlos abwickeln.

Der Vulkan heute

Die Explosion sprengte den größten Teil der Insel weg, die zwischen 2014 und 2015 aus zwei älteren Eilanden zusammengewachsen war. Übrig blieben zwei kleine Reste und eine Caldera unter Wasser. Der Vulkan gehört zum Tonga-Kermadec-Bogen, einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde, in der eine Platte besonders schnell abtaucht.

Im Verzeichnis sind allein für Tonga 21 Vulkane erfasst, die meisten davon unterseeisch und deshalb kaum bekannt. Genau das ist das Problem solcher Vulkane: Sie werden schlechter überwacht als Vulkane an Land, und wie 2022 zu sehen war, können sie mehr Schaden anrichten als mancher berühmte Berg.

Quellen