Vulkan bei Neapel: Einblicke in Italiens faszinierende Vulkanlandschaft
Neapel hat nicht einen Vulkan, sondern zwei Systeme, und das unbekanntere ist das größere. Östlich der Stadt steht der Vesuv, 1.281 Meter hoch und seit 1944 ruhig. Westlich liegen die Phlegräischen Felder, eine Caldera von zwölf Kilometern Durchmesser, in der Stadtteile von Neapel und mehrere ganze Gemeinden stehen.
Der Vesuv
Von Neapel aus sieht man zwei Gipfel nebeneinander, und das ist kein Zufall: Der eigentliche Kegel steht im Rest eines älteren, größeren Vulkans. Dessen Kraterwand, der Monte Somma, bildet den halbmondförmigen Rücken links daneben. Diese Bauform heißt deshalb Somma-Vulkan, benannt nach genau diesem Berg.
Berühmt wurde er durch den Ausbruch von 79 n. Chr., der Pompeji und Herculaneum unter Bimsstein und Glutlawinen begrub. Der letzte Ausbruch war 1944, mitten im Krieg; Lava zerstörte die Orte San Sebastiano und Massa di Somma, und amerikanische Bomber verloren am Boden durch Ascheschäden mehr Flugzeuge als bei manchem Einsatz.
Seither schweigt er, und genau das macht ihn zum Thema. Nach langer Ruhe wird die Schmelze in der Kammer zäher und gasreicher, ein künftiger Ausbruch dürfte also explosiver ausfallen. Der italienische Zivilschutz hat für die rote Zone einen Evakuierungsplan für rund 600.000 Menschen aus 25 Gemeinden. Mehr dazu im Artikel über die gefährlichsten Vulkane der Welt.
Die Phlegräischen Felder
Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet brennende Felder. Es ist kein Berg, sondern eine eingesunkene Landschaft aus rund zwei Dutzend Kratern, Kuppen und Seen, westlich von Neapel bis nach Pozzuoli und auf das Meer hinaus.
Ihr auffälligster Punkt ist die Solfatara bei Pozzuoli, ein flacher Krater mit zischenden Fumarolen, Schwefelablagerungen und heißen Schlammtöpfen. Der letzte Ausbruch des Systems liegt im Jahr 1538, als in einer Woche der Monte Nuovo entstand, ein 130 Meter hoher Kegel, der seither so heißt: der neue Berg.
Was die Phlegräischen Felder besonders macht, ist der Bradyseismus: Der Boden hebt und senkt sich über Jahre um Meter. In Pozzuoli zeigen antike Säulen im Serapeum Bohrlöcher von Meeresmuscheln mehrere Meter über dem heutigen Wasserstand, das Gelände lag also zwischenzeitlich unter Wasser. In den 1970er und 1980er Jahren hob sich der Ort um rund 3,5 Meter, Teile der Altstadt mussten geräumt werden. Seit 2005 steigt der Boden erneut, was regelmäßig zu Schlagzeilen führt.
Wie gefährlich ist die Lage
Beide Systeme werden vom Vesuv-Observatorium überwacht, dem ältesten Vulkanobservatorium der Welt, gegründet 1841. Gemessen werden Erdbeben, Bodenhebung und Gaszusammensetzung.
Die Hebung allein bedeutet keinen bevorstehenden Ausbruch; sie kann auch von Wasser und Gas in geringer Tiefe stammen, nicht von Magma. Was die Fachwelt besorgt, ist etwas anderes: die Zahl der Menschen, die in einer aktiven Caldera wohnen. Für die Phlegräischen Felder ist eine Evakuierung deutlich schwerer zu planen als für den Vesuv, weil die Gefahrenzone nicht um einen Berg herum liegt, sondern die Siedlung selbst ist.
Was man besichtigen kann
Der Vesuv ist über eine Straße bis auf 1.000 Meter erschlossen, von dort führt ein Fußweg in etwa 25 Minuten zum Kraterrand. Der Blick geht über den Golf von Neapel, bei klarer Sicht bis Capri. Tickets sind zeitgebunden und sollten vorab gebucht werden.
Pompeji und Herculaneum liegen beide an der Bahnlinie Circumvesuviana. Herculaneum ist kleiner, aber besser erhalten: Dort blieben Holz, Türen und sogar Lebensmittel erhalten, weil die Stadt von heißem Material verschüttet und luftdicht abgeschlossen wurde.
In den Phlegräischen Feldern sind die Solfatara zeitweise gesperrt, zugänglich sind aber Pozzuoli mit dem Serapeum, der Averner See und der Monte Nuovo. Für den weiteren Rahmen siehe den Artikel über Vulkane in Italien.
Quellen
- Osservatorio Vesuviano, INGV - Überwachung von Vesuv und Phlegräischen Feldern
- Protezione Civile: Vesuv - rote Zone und Notfallplanung
- Smithsonian Global Volcanism Program: Vesuvius - Ausbruchsgeschichte