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Schwere Ausbrüche seit dem Jahr 2000

Lavafontäne an einem kleinen Kegel, davor ein weit ausgedehntes glühendes Lavafeld in der Dämmerung
Der Ausbruch bei Geldingadalir am Fagradalsfjall auf Reykjanes, Island - Bildnachweis: @ Gesturleo via Depositphotos

Seit dem Jahr 2000 hat es keinen Ausbruch der ganz großen Kategorie gegeben, wohl aber eine Reihe von Ereignissen, die Menschenleben gekostet, den Luftverkehr lahmgelegt oder ganze Ortschaften begraben haben. Diese Chronik führt die folgenreichsten auf, jeweils mit dem, was sie ausgezeichnet hat. Stand: September 2026.

2002: Nyiragongo begräbt einen Teil von Goma

Am 17. Januar 2002 floss Lava des Nyiragongo mitten durch die kongolesische Stadt Goma bis in den Hafen am Kiwusee. Rund 15 Prozent der Stadtfläche wurden zerstört, etwa 120.000 Menschen verloren ihr Zuhause. Die Lava dieses Vulkans ist so dünnflüssig, dass sie Hänge mit über 60 Kilometern pro Stunde hinablaufen kann. Ausführlich im Artikel über den Vulkanausbruch im Kongo.

2010: Eyjafjallajökull legt den Luftverkehr still

Der Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2010 war für isländische Verhältnisse mittelgroß. Weil der Vulkan unter einer Eiskappe liegt, zerriss Schmelzwasser die Lava zu besonders feiner Asche, die in Reiseflughöhe nach Europa trieb. Rund 100.000 Flüge fielen aus, etwa zehn Millionen Passagiere strandeten. Es war die größte Sperrung des europäischen Luftraums seit dem Zweiten Weltkrieg.

2010: Merapi, der tödlichste Ausbruch des Jahrzehnts

Im Oktober und November 2010 brach der Merapi auf Java heftiger aus als seit 1872. Glutlawinen reichten bis zu 15 Kilometer weit und damit über die angenommene Gefahrenzone hinaus. Rund 350 Menschen starben, etwa 350.000 mussten ihre Dörfer verlassen.

2014: Bardarbunga fördert Islands größtes Lavafeld seit Laki

Von August 2014 bis Februar 2015 trat aus einer Spalte im Hochland nördlich des Gletschers Vatnajökull Lava aus und baute das Feld Holuhraun auf, rund 85 Quadratkilometer groß. Es war der größte Lavaausbruch Islands seit 1783. Weil die Gegend unbewohnt ist, gab es keine Opfer, aber die Schwefeldioxid-Fahne war zeitweise bis Mitteleuropa messbar.

2014: Ontake trifft Wanderer ohne Vorwarnung

Am 27. September 2014 explodierte der japanische Ontake an einem sonnigen Samstag zur Mittagszeit, als sich Hunderte Wanderer am Gipfel aufhielten. 63 Menschen starben, die meisten durch herabfallende Gesteinsbrocken. Es war ein phreatischer Ausbruch: Grundwasser verdampfte schlagartig, ohne dass frisches Magma aufstieg. Solche Ausbrüche kündigen sich kaum an und sind bis heute das schwierigste Problem der Vulkanüberwachung.

2018: Fuego und Anak Krakatau

Der Volcán de Fuego in Guatemala erzeugte am 3. Juni 2018 pyroklastische Ströme, die den Ort San Miguel Los Lotes begruben. Offiziell starben rund 190 Menschen, über 200 blieben vermisst; die tatsächliche Zahl liegt vermutlich deutlich höher.

Ein halbes Jahr später, am 22. Dezember 2018, brach die Südwestflanke des Anak Krakatau in die Sundastraße ab. Der Hangrutsch löste einen Tsunami aus, der ohne Vorwarnung die Küsten von Java und Sumatra traf und über 400 Menschen tötete. Tsunami-Warnsysteme sind auf Erdbeben ausgelegt, nicht auf Flankenkollapse.

2018: Kīlauea zerstört ein Wohngebiet

Von Mai bis August 2018 öffneten sich Spalten mitten im Siedlungsgebiet Leilani Estates auf Hawaii. Die Ströme zerstörten mehr als 700 Gebäude und füllten die Bucht von Kapoho vollständig auf. Siehe dazu den Artikel über den Hawaii-Vulkanausbruch.

2019: Whakaari, ein Ausbruch mitten in einer Touristengruppe

Am 9. Dezember 2019 explodierte die neuseeländische Vulkaninsel Whakaari, auch White Island genannt, während 47 Menschen den Krater besichtigten. 22 starben, viele weitere erlitten schwerste Verbrennungen. Der Fall hatte ein juristisches Nachspiel über die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, Besucher auf einen aktiven Vulkan zu führen.

2021: Drei Ausbrüche in einem Jahr

Im März begann auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel mit dem Fagradalsfjall eine Aktivitätsphase, die bis heute andauert. Im Mai floss Lava des Nyiragongo erneut bis an den Rand von Goma, rund 32 Menschen starben. Und von September bis Dezember zerstörte der Ausbruch auf La Palma etwa 3.000 Gebäude, der schwerste Ausbruch in der überlieferten Geschichte der Insel.

2022: Hunga Tonga sprengt alle Messwerte

Am 15. Januar 2022 explodierte der unterseeische Vulkan Hunga Tonga-Hunga Haʻapai. Die Aschewolke erreichte 57 Kilometer Höhe, mehr als jede zuvor gemessene, die Druckwelle umrundete mehrfach die Erde, ein Tsunami traf Tonga mit über 19 Meter hohen Wellen. Sechs Menschen starben. Der Ausbruch brachte so viel Wasserdampf in die Stratosphäre, dass er vermutlich leicht erwärmend statt kühlend wirkte.

2023 bis 2026: Island im Dauerbetrieb

Seit Ende 2023 liegt der Schwerpunkt der isländischen Aktivität bei der Sundhnúkur-Kraterreihe nördlich von Grindavík. Der Ort mit rund 3.700 Einwohnern wurde im November 2023 evakuiert und ist bis heute weitgehend verlassen. Bis August 2025 zählte die Serie zwölf Ausbrüche. Parallel läuft am Kīlauea auf Hawaii seit Dezember 2024 eine Folge von über 50 Fontänen-Episoden.

Was die Bilanz zeigt

Auffällig ist, woran Menschen sterben. In dieser Chronik ist es fast nie die Lava, sondern es sind pyroklastische Ströme wie bei Merapi und Fuego, Tsunamis wie bei Anak Krakatau und Hunga Tonga, herabfallende Brocken wie am Ontake oder Unfälle auf der Flucht wie in Goma.

Auffällig ist auch, wie oft gute Überwachung den Unterschied macht. Bei La Palma und beim Pinatubo 1991 waren die Vorzeichen klar, es wurde rechtzeitig geräumt, und trotz enormer Zerstörung starb kaum jemand. Bei Ontake und Whakaari gab es diese Vorzeichen nicht, weil phreatische Ausbrüche ohne aufsteigendes Magma auskommen. Genau dort liegt bis heute die größte Lücke.

Quellen