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Der Nyiragongo: Ein Blick auf den jüngsten Vulkanausbruch im Kongo

Der letzte Ausbruch des Nyiragongo war am 22. Mai 2021. Die Lava floss bis an den Rand der Millionenstadt Goma, rund 32 Menschen starben, etwa 400.000 verließen die Stadt. Seither ist der Vulkan nicht mehr ausgebrochen, hält aber in seinem Gipfelkrater einen dauerhaften Lavasee, der laufend überwacht wird. Stand: September 2026.

Was den Nyiragongo so gefährlich macht

Es ist nicht seine Größe und nicht die Wucht seiner Ausbrüche, sondern die Zusammensetzung seiner Schmelze. Sie ist außergewöhnlich arm an Kieselsäure und dadurch so dünnflüssig wie kaum eine andere Lava der Erde. Wo sonst ein Lavastrom im Schritttempo vorankriecht, kann dieser Hangabschnitte mit 60 Kilometern pro Stunde hinunterlaufen.

Dazu kommt die Lage: Der Vulkan steht 18 Kilometer nördlich von Goma, einer Stadt mit rund zwei Millionen Einwohnern am Ufer des Kiwusees. Zwischen Krater und Stadt liegt nichts als abschüssiges Gelände. Ein Vorwarnzeitraum von Stunden, wie er bei zähflüssigen Vulkanen selbstverständlich ist, existiert hier nicht.

Der Ausbruch von 2021

Am Abend des 22. Mai 2021 öffneten sich Spalten an der Südflanke. Die Ströme erreichten in der Nacht den nördlichen Stadtrand von Goma, zerstörten mehrere Hundert Häuser und kamen wenige Hundert Meter vor dem Flughafen zum Stehen. Die meisten der rund 32 Todesopfer starben nicht durch Lava, sondern auf der Flucht: bei Unfällen, im Gedränge und durch Gase aus Bodenrissen.

Gefährlicher als der Ausbruch selbst waren die Tage danach. Magma war seitlich unter die Stadt und unter den Kiwusee gewandert, was Tausende Erdbeben auslöste und Risse durch Straßen und Gebäude zog. Die Behörden ordneten die Evakuierung mehrerer Stadtteile an, rund 400.000 Menschen zogen fort. Erst nach zwei Wochen beruhigte sich die Lage.

2002: als die Lava mitten durch die Stadt lief

Deutlich schwerer traf es Goma am 17. Januar 2002. Damals floss ein Lavastrom nicht am Rand vorbei, sondern mitten durch die Stadt, über eine Länge von mehreren Kilometern und bis in den Hafen am Kiwusee. Etwa 15 Prozent der Stadtfläche wurden zerstört, rund 120.000 Menschen verloren ihr Zuhause.

Viele Todesopfer forderte an jenem Tag eine Tankstelle, die von der Lava erreicht wurde und explodierte, während Menschen dort Treibstoff abzapften. Die erstarrten Ströme von 2002 liegen bis heute im Stadtgebiet, teilweise überbaut, teilweise als schwarze Felswüste zwischen Wohnhäusern.

Der Kiwusee: das größere Risiko

Unter dem Nyiragongo liegt ein Problem, das mit dem Vulkan nur mittelbar zu tun hat. Im Kiwusee sind in den tiefen Wasserschichten enorme Mengen Kohlendioxid und Methan gelöst, gehalten allein durch den Druck des darüberliegenden Wassers. Geschätzt werden rund 300 Kubikkilometer CO₂ und 60 Kubikkilometer Methan.

Würde diese Schichtung gestört, etwa durch einen Lavastrom, der in den See läuft, oder durch ein starkes Erdbeben, könnte das Gas schlagartig aufsteigen. Ein solcher Vorgang am kamerunischen Nyos-See tötete 1986 über 1.700 Menschen. Am Kiwusee leben rund zwei Millionen. Eine Anlage fördert inzwischen Methan aus der Tiefe und nutzt es zur Stromerzeugung, was das Risiko etwas senkt.

Besuch derzeit nicht möglich

Der Nyiragongo galt lange als eines der großen Ziele des Vulkantourismus: ein Aufstieg von etwa fünf Stunden, Übernachtung in Hütten am Kraterrand und der Blick auf einen der größten Lavaseen der Welt. Der Virunga-Nationalpark ist jedoch geschlossen. Nachdem bewaffnete Gruppen 2025 die Kontrolle über Goma übernommen haben, ist die Region für Reisen gesperrt, und das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Provinz Nord-Kivu ab.

Die wissenschaftliche Überwachung leidet unter derselben Lage. Das Observatorium in Goma arbeitet seit Jahren unter schwierigen Bedingungen, mit zeitweise ausgefallenen Messstationen und fehlender Finanzierung. Beim Ausbruch 2021 war das mit ein Grund dafür, dass es keine offizielle Vorwarnung gab.

Quellen