"Mallorca Vulkan Ausbruch": Mythos oder Realität?
Auf Mallorca gibt es keine Vulkane, und es gab nie welche. Die Insel ist nicht vulkanisch entstanden, sondern durch Faltung: Sie ist der über das Meer ragende Teil eines Gebirges, das zur Betischen Kordillere Südspaniens gehört. Ein Ausbruch auf Mallorca ist damit kein unwahrscheinliches Ereignis, sondern geologisch gar nicht möglich. Stand: September 2026.
Woraus Mallorca besteht
Wer auf Mallorca wandert, läuft über Kalkstein, der einmal Meeresboden war. Die Serra de Tramuntana im Nordwesten besteht aus marinen Sedimenten des Erdmittelalters, die beim Zusammenschieben der Afrikanischen und der Eurasischen Platte aufgefaltet und übereinandergeschoben wurden. Daher die Höhlen, die Dolinen und die Karstlandschaft, für die die Insel bekannt ist.
Vulkanisches Gestein kommt auf den Balearen nur in geringen Mengen und sehr alt vor, vor allem im Süden von Mallorca und auf Menorca, aus dem Perm und der Trias, also vor rund 250 Millionen Jahren. Das sind Zeugen einer längst abgeschlossenen Phase, kein schlafendes System. Im Verzeichnis der Vulkane Spaniens taucht deshalb keine einzige Baleareninsel auf.
Wo Spanien tatsächlich Vulkane hat
Der spanische Vulkanismus liegt fast vollständig auf den Kanaren, rund 1.700 Kilometer von Mallorca entfernt und in einem völlig anderen geologischen Zusammenhang: Die Kanaren sitzen über einem Hotspot im Atlantik, nicht an einer Plattengrenze im Mittelmeer.
Der jüngste Ausbruch war 2021 auf La Palma. Davor lag der unterseeische Ausbruch vor El Hierro von 2011 bis 2012, der ein neues Riff aufbaute, das den Meeresspiegel nicht erreichte. Auf dem spanischen Festland gibt es ein weiteres Gebiet: die Garrotxa in Katalonien mit rund 40 Schlackenkegeln, deren letzter Ausbruch etwa 11.500 Jahre zurückliegt.
Puerto Naos: Gas, nicht Lava
Ein Nachspiel des La-Palma-Ausbruchs sorgte lange für Schlagzeilen und wird oft falsch wiedergegeben. Der Küstenort Puerto Naos wurde nicht von Lava getroffen, sondern musste geräumt werden, weil aus dem veränderten Untergrund Kohlendioxid austrat. Das Gas ist schwerer als Luft, sammelt sich in Kellern, Erdgeschossen und Senken und ist dort lebensgefährlich, ohne dass man es riecht.
Ab Dezember 2023 wurden die Sperrungen schrittweise aufgehoben, nachdem die Messwerte sanken. Heute sind Strand, Promenade und der größte Teil des Ortes wieder zugänglich und die Saison läuft wieder normal. Geschlossen bleibt nur ein eng begrenzter Bereich im Norden, in dem weiter erhöhte Werte gemessen werden.
Woher der Suchbegriff kommt
Die Frage nach einem Vulkanausbruch auf Mallorca taucht vor allem dann auf, wenn auf den Kanaren etwas passiert. Dann werden in Nachrichten und sozialen Netzwerken „Spanien" und „Vulkanausbruch" in einem Satz genannt, und viele Urlauber denken zuerst an die Insel, die sie kennen. Dazu kommen Verwechslungen mit den Liparischen Inseln und mit Santorin, wo es tatsächlich Vulkane gibt.
Wer auf Mallorca Urlaub macht, muss sich um Vulkanismus keine Gedanken machen. Erdbeben sind auf den Balearen selten und schwach. Das einzige geologische Thema, das die Insel wirklich betrifft, ist der Karst: Hohlräume im Kalkstein, die gelegentlich Einsturztrichter bilden, wie man sie in den Höhlen von Porto Cristo besichtigen kann.
Vulkane, die von Mallorca aus in Reichweite sind
Für Reisende, die Vulkane sehen wollen, liegt einiges näher als gedacht. Auf den Kanaren sind der Teide auf Teneriffa, die Feuerberge von Lanzarote und die Caldera de Bandama auf Gran Canaria erschlossen. Im Mittelmeerraum sind es der Ätna, der Stromboli und die Caldera von Santorin. Alle sind von Mallorca aus in wenigen Flugstunden erreichbar.
Quellen
- Instituto Geográfico Nacional: Vulkanüberwachung Spanien - Messnetz und Lageberichte
- Instituto Geológico y Minero de España - geologische Karten der Balearen
- La Palma News: Gasmessungen Puerto Naos - laufende Berichterstattung zur Sperrzone