Aktive Vulkane: Schlummernde Giganten unserer Erde
Als aktiv gilt ein Vulkan, der im Holozän ausgebrochen ist, also in den letzten rund 11.700 Jahren. Nach dieser Definition führt das Verzeichnis 1.214 aktive Vulkane. Enger gefasst: Bei 438 davon ist seit 1900 ein Ausbruch belegt, bei 231 seit dem Jahr 2000, und 120 waren seit 2020 tätig. An einem beliebigen Tag brechen weltweit etwa 40 bis 50 Vulkane gleichzeitig aus. Stand: September 2026.
Warum es keine einfache Zahl gibt
Die Frage nach der Zahl der aktiven Vulkane hat keine eindeutige Antwort, weil es keine eindeutige Definition gibt. Ein Vulkan ist kein Gerät, das an oder aus ist. Manche brechen alle paar Jahre aus, andere alle paar Tausend, und eine Pause von tausend Jahren ist für einen Schichtvulkan nichts Besonderes.
Die international übliche Regel zieht deshalb die Grenze beim Holozän, dem Zeitraum seit dem Ende der letzten Eiszeit. Wer in dieser Zeit ausgebrochen ist, gilt als aktiv, auch wenn der letzte Ausbruch 8.000 Jahre zurückliegt. Das klingt großzügig, hat aber einen praktischen Grund: Ein Vulkan, der im Holozän tätig war, sitzt über einem Magmasystem, das noch existiert.
Unterschieden wird davon der Begriff erloschen. Er trifft nur zu, wenn der Nachschub aus der Tiefe versiegt ist, etwa weil die Platte den Hotspot verlassen hat. Die älteren Inseln Hawaiis sind erloschen. Der Yellowstone ist es nicht, obwohl er seit über 70.000 Jahren nichts getan hat.
Wo die aktiven Vulkane stehen
Die Verteilung folgt den Plattengrenzen. Diese Länder haben die meisten seit 1900 tätigen Vulkane:
| Land | seit 1900 aktiv |
|---|---|
| Indonesien | 66 |
| Vereinigte Staaten | 52 |
| Japan | 46 |
| Russland | 34 |
| Chile | 22 |
| Papua-Neuguinea | 18 |
| Ecuador | 13 |
| Island | 13 |
Bis auf Island liegen alle diese Länder am Pazifischen Feuerring oder an einer anderen Subduktionszone. Island ist der Sonderfall: Dort driften Platten auseinander, zusätzlich sitzt ein Hotspot darunter.
Die aktivsten Vulkane der Erde
Wenige Vulkane sind praktisch immer tätig. Der Stromboli wirft seit mindestens tausend Jahren mehrmals stündlich Glutfetzen aus. Der Kīlauea auf Hawaii war zwischen 1983 und 2018 durchgehend aktiv und läuft seit Ende 2024 in einer Serie von Fontänen-Episoden. Der Ätna hat Jahre ohne jede Tätigkeit als Ausnahme, nicht als Regel.
Dazu kommen Vulkane mit Lavaseen, also dauerhaft offener Schmelze im Krater: der Nyiragongo im Kongo, der Erta Ale in Äthiopien, der Mount Erebus in der Antarktis und der Masaya in Nicaragua. Solche Seen sind selten, weil sie ständigen Nachschub und offene Entgasung zugleich brauchen.
Aktive Vulkane in Europa
Für Europa ist die Liste kurz. Seit 1900 sind nur vier Vulkane ausgebrochen:
| Vulkan | Land | letzter Ausbruch |
|---|---|---|
| Ätna | Italien | 2026 |
| Stromboli | Italien | 2026 |
| Santorin | Griechenland | 1950 |
| Vesuv | Italien | 1944 |
Island zählt geografisch zu Europa, wird in dieser Einteilung aber als eigene Region geführt; dort sind es 13 seit 1900. Nicht in der Liste, aber hochinteressant sind die Phlegräischen Felder westlich von Neapel: Sie sind seit 1538 nicht mehr ausgebrochen, heben sich aber seit Jahren messbar, was regelmäßig für Schlagzeilen sorgt.
Wie Aktivität überwacht wird
Weltweit werden längst nicht alle aktiven Vulkane beobachtet. Rund die Hälfte der Vulkane mit Ausbrüchen seit 1900 hat kein eigenes Messnetz, und viele der unterseeischen sind gar nicht erfasst. Die Überwachung gut ausgestatteter Vulkane stützt sich auf vier Größen:
- Erdbeben: Aufsteigendes Magma bricht Gestein auf. Verändern sich Zahl und Tiefe der Beben, ist das das früheste Signal.
- Bodenverformung: GPS-Stationen und Satellitenradar messen, ob sich der Berg hebt oder aufbläht, oft im Bereich weniger Zentimeter.
- Gase: Das Verhältnis von Schwefeldioxid zu Kohlendioxid verrät, ob frisches Magma nachrückt.
- Wärme: Satelliten erkennen Temperaturanomalien am Krater auch dort, wo niemand vor Ort ist.
Diese Signale zeigen, dass etwas passiert, aber nicht zuverlässig, was daraus wird. Viele Unruhephasen enden ohne Ausbruch. Und es gibt Ausbrüche fast ohne Vorwarnung: phreatische Explosionen, bei denen nur Grundwasser verdampft, wie 2014 am japanischen Ontake mit 63 Todesopfern.
Der Unterschied zwischen aktiv und gefährlich
Beides fällt oft zusammen, muss aber nicht. Der Stromboli ist der aktivste Vulkan Europas und für die meisten Besucher ungefährlich. Der Vesuv hat seit 1944 nichts getan und gilt trotzdem als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, weil im Gefahrenbereich rund 600.000 Menschen leben.
Das Risiko ergibt sich aus drei Faktoren: wie explosiv ein Vulkan ausbricht, wie viele Menschen in Reichweite leben und wie gut Überwachung und Evakuierung funktionieren. Mehr dazu steht im Artikel über die gefährlichsten Vulkane der Welt.
Quellen
- Smithsonian Global Volcanism Program: Current Eruptions - laufende Ausbrüche weltweit
- Weekly Volcanic Activity Report - wöchentlicher Bericht von Smithsonian und USGS
- USGS Volcano Hazards Program - Definitionen und Überwachungsmethoden