Island Vulkanausbruch: Eine Chronik der Eruptionen
Auf Island bricht derzeit kein Vulkan aus. Der bislang letzte Ausbruch lief vom 16. Juli bis zum 5. August 2025 in der Sundhnúkur-Kraterreihe nördlich von Grindavík. Es war der zwölfte Ausbruch der Serie, die im März 2021 auf der Reykjanes-Halbinsel begann. Das isländische Wetteramt meldet seither erneut ansteigenden Magmadruck unter Svartsengi, hält einen weiteren Ausbruch für wahrscheinlich und nennt bewusst keinen Zeitpunkt. Stand: September 2026.
Die Reykjanes-Serie: zwölf Ausbrüche seit 2021
Die Halbinsel im Südwesten Islands war rund 800 Jahre ruhig. Im März 2021 endete das mit dem Ausbruch am Fagradalsfjall, gefolgt von zwei weiteren Ausbrüchen desselben Systems 2022 und 2023. Solche Ruhephasen und Aktivitätsschübe wechseln sich auf Reykjanes seit Jahrtausenden ab; Fachleute rechnen damit, dass die aktuelle Phase Jahrzehnte anhalten kann.
Seit Ende 2023 liegt das Geschehen nicht mehr am Fagradalsfjall, sondern beim benachbarten System Svartsengi mit der Sundhnúkur-Kraterreihe. Beide liegen auf derselben Halbinsel, sind geologisch aber getrennt. Das Muster ist seither gleichförmig: Magma sammelt sich unter Svartsengi, hebt den Boden messbar an, bricht dann seitlich in einen Gang aus und tritt entlang einer Spalte aus. Der eigentliche Ausbruch dauert meist Tage bis wenige Wochen.
Grindavík: eine Stadt, die geräumt wurde
Am 10. November 2023 wurde der Ort Grindavík mit rund 3.700 Einwohnern evakuiert, nachdem ein Magmagang unter der Stadt hindurchfuhr und Risse durch Straßen und Häuser zog. Der Ort ist bis heute weitgehend verlassen. Um ihn und das Geothermalkraftwerk Svartsengi entstanden Schutzwälle, die Lavaströme umlenken sollen.
Sie haben mehrfach gehalten, aber nicht immer: Beim Ausbruch am 1. April 2025 öffnete sich eine Spalte südöstlich des Bergs Þorbjörn zunächst außerhalb der Wälle und später innerhalb. Das Kraftwerk versorgt die gesamte Halbinsel mit Warmwasser und Strom, weshalb sein Schutz höchste Priorität hat.
Eyjafjallajökull 2010: der Ausbruch, der Europa lahmlegte
Der bekannteste isländische Ausbruch war weder besonders groß noch besonders gefährlich. Der Eyjafjallajökull liegt unter einer Eiskappe, und genau das machte ihn 2010 so wirkungsvoll: Schmelzwasser traf auf Lava, das Wasser verdampfte schlagartig und zersprengte die Schmelze in feine, kantige Aschepartikel. Diese Asche stieg bis in Reiseflughöhe und trieb nach Europa.
Die Folge war die größte Sperrung des europäischen Luftraums seit dem Zweiten Weltkrieg: rund 100.000 gestrichene Flüge und etwa zehn Millionen gestrandete Passagiere. Aus dieser Erfahrung entstanden die heutigen abgestuften Grenzwerte für Aschekonzentrationen, die eine erneute Totalsperrung unwahrscheinlich machen.
Laki 1783: der schwerste Ausbruch der isländischen Geschichte
Acht Monate lang, von Juni 1783 bis Februar 1784, förderte eine 27 Kilometer lange Spaltenreihe im Süden Islands rund 14 Kubikkilometer Lava. Der Ausbruch gehört zum Vulkansystem Grímsvötn. Entscheidend war nicht die Lava, sondern das Gas: Etwa 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid gelangten in die Atmosphäre.
In Island vergiftete der Fluorgehalt der Asche die Weiden, rund die Hälfte des Viehbestands verendete, und in der folgenden Hungersnot starb etwa ein Fünftel der Bevölkerung. In Mitteleuropa lag im Sommer 1783 ein trockener Dunstschleier über dem Land, gefolgt von einem außergewöhnlich kalten Winter. Der Laki-Ausbruch gilt als das am besten dokumentierte Beispiel dafür, wie ein einzelner Vulkan über Jahre in ein Klima eingreifen kann.
Warum Island so viele Vulkane hat
Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinanderdriften, und zusätzlich über einem Hotspot, einem ortsfesten Schmelzherd im Erdmantel. Diese Kombination gibt es sonst nirgends über dem Meeresspiegel. Deshalb ist Island überhaupt eine Insel und nicht ein weiterer Abschnitt des unterseeischen Rückens.
Im Verzeichnis sind 35 isländische Vulkansysteme erfasst. Neben den Reykjanes-Systemen gelten vor allem Katla, Hekla und Grímsvötn als überwachungsbedürftig. Katla liegt unter dem Mýrdalsjökull und ist seit 1918 nicht mehr ausgebrochen, ein für ihre Verhältnisse langer Abstand.
Was das für Reisende bedeutet
Ausbrüche auf Reykjanes sind bisher effusiv verlaufen: Lava fließt, statt dass Asche kilometerweit geschleudert wird. Für Reykjavík und den internationalen Flughafen Keflavík bestand nie eine Gefahr für Leib und Leben, wohl aber zeitweise für den Betrieb. Gesperrt werden bei einem Ausbruch die unmittelbare Umgebung, zeitweise die Blaue Lagune und die Straße nach Grindavík.
Verlässlich ist nur die offizielle Lage. Das isländische Wetteramt führt die Gefahrenkarten und aktualisiert sie mehrmals täglich, die Zivilschutzbehörde sperrt und gibt frei. Wer eine Reise plant, sollte diese beiden Quellen ansehen und nicht Bilder aus sozialen Netzwerken, die oft Jahre alt sind.
Quellen
- Icelandic Meteorological Office - Gefahrenkarten, Bodenhebung und Ausbruchsmeldungen, die amtliche Quelle
- Smithsonian Global Volcanism Program: Reykjanes - Ausbruchsgeschichte des Systems
- Vulkane Net: Island - deutschsprachige Berichterstattung zu den einzelnen Ausbrüchen