Berühmte Vulkanausbrüche in der Erd- und Menschheitsgeschichte
Berühmt wird ein Vulkanausbruch selten durch seine Größe. Der Vesuv von 79 war klein gegen den Tambora von 1815, und trotzdem kennt ihn jeder. Was zählt, ist was der Ausbruch getroffen hat: eine Stadt, eine Hochkultur, eine Ernte in halb Europa oder das erste Mal die Telegrafenleitungen der Welt.
Santorin, um 1600 v. Chr.
Der Ausbruch von Santorin gehört zu den größten der letzten 10.000 Jahre. Die Insel Thera flog auseinander, zurück blieb der Ring, den man heute befährt. Die Siedlung Akrotiri wurde unter Bimsstein begraben und dabei so gut konserviert, dass sie als Pompeji der Ägäis gilt, mit mehrstöckigen Häusern und Wandmalereien.
Die oft erzählte Verbindung zum Untergang der minoischen Kultur auf Kreta ist umstritten. Die Datierungen der Ausbruchsschicht und des minoischen Niedergangs liegen rund hundert Jahre auseinander. Wahrscheinlicher ist, dass der Ausbruch die Minoer schwer traf, ihr Ende aber andere Gründe hatte. Ebenso spekulativ bleibt der Bezug zur Atlantis-Erzählung Platons, der erst 1909 hergestellt wurde.
Vesuv, 79 n. Chr.
Der bekannteste Ausbruch der Geschichte begann an einem Nachmittag im Spätsommer 79, vermutlich im Oktober; das lange genannte Datum 24. August beruht auf einer unsicheren Handschriftenstelle. Eine Eruptionssäule stieg über 30 Kilometer hoch, in Pompeji fiel meterhoch Bimsstein, bis Dächer einstürzten.
Getötet wurden die meisten Menschen aber erst in der Nacht, als die Säule zusammenbrach und pyroklastische Ströme über die Städte fegten. Herculaneum liegt näher am Berg und wurde von der ersten dieser Glutwolken erreicht, Pompeji von einer späteren. Was den Ausbruch für die Forschung so wertvoll macht, ist der Augenzeugenbericht von Plinius dem Jüngeren, der seine Beobachtungen aus Misenum aufschrieb. Nach ihm heißt der Ausbruchstyp bis heute plinianisch.
Laki, 1783 bis 1784
Acht Monate lang förderte eine 27 Kilometer lange Spaltenreihe in Island rund 14 Kubikkilometer Lava, der größte Lavaausbruch der historischen Zeit. Entscheidend war das Gas: etwa 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid.
In Island verendete gut die Hälfte des Viehbestands, in der Hungersnot starb rund ein Fünftel der Bevölkerung. In Mitteleuropa lag im Sommer 1783 ein trockener Dunst über dem Land, der Winter darauf war außergewöhnlich kalt. Mehr dazu steht im Artikel über Ausbrüche auf Island.
Tambora, 1815
Der stärkste Ausbruch der historischen Zeit überhaupt. Der Tambora auf Sumbawa verlor über tausend Höhenmeter, sein Gipfel wurde zur Caldera. Auf der Insel selbst starben Zehntausende, durch den Ausbruch und die folgende Hungersnot.
Weltweit bekannt ist er wegen des Jahres danach: 1816 ging als Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein. In Neuengland schneite es im Juni, in Mitteleuropa verregneten die Ernten, Getreidepreise vervielfachten sich, es kam zu Hungerunruhen. In diesem verregneten Sommer am Genfersee entstand nebenbei Mary Shelleys „Frankenstein".
Krakatau, 1883
Der Ausbruch des Krakatau in der Sundastraße war der erste, über den die Welt in Echtzeit erfuhr: Die Telegrafenkabel meldeten ihn binnen Stunden nach London. Die Explosion vom 27. August war noch in fast 5.000 Kilometern Entfernung auf Rodrigues im Indischen Ozean zu hören.
Tödlich war nicht die Explosion, sondern der Tsunami: Wellen von bis zu 30 Metern trafen die Küsten von Java und Sumatra, über 36.000 Menschen starben. In den Jahren danach zeigten sich weltweit auffällig rote Dämmerungen, die Maler festhielten. Der Vulkan ist nicht verschwunden; aus der Caldera wuchs ab 1927 Anak Krakatau, das Kind des Krakatau.
Mont Pelée, 1902
Am Morgen des 8. Mai 1902 raste eine Glutwolke vom Mont Pelée auf Martinique in die Stadt Saint-Pierre und tötete in wenigen Minuten fast alle der rund 28.000 Einwohner. Es war die tödlichste Vulkankatastrophe des 20. Jahrhunderts.
Ihre Bedeutung liegt in der Erkenntnis: Bis dahin kannte die Wissenschaft dieses Phänomen nicht. Der französische Geologe Alfred Lacroix beschrieb es anschließend und gab ihm den Namen nuée ardente. Seither weiß man, dass die eigentliche Gefahr vieler Vulkane nicht die Lava ist, sondern eine bodennahe Wolke aus Gas und Glut, gegen die es keine Flucht gibt.
Pinatubo, 1991
Der Pinatubo auf den Philippinen ist das Gegenbeispiel: ein sehr großer Ausbruch mit vergleichsweise wenigen Opfern. Weil die Vorzeichen erkannt und Hunderttausende rechtzeitig evakuiert wurden, starben etwa 850 Menschen, die meisten unter Dächern, die unter nassem Ascheregen einstürzten.
Der Ausbruch brachte rund 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre und senkte die globale Mitteltemperatur für etwa zwei Jahre um ungefähr 0,5 Grad. Bis 2022 war seine Eruptionssäule mit 40 Kilometern die höchste je gemessene, dann übertraf sie der Ausbruch von Hunga Tonga mit 57 Kilometern.
Die Reihe im Überblick
| Ausbruch | Jahr | VEI | Wofür er steht |
|---|---|---|---|
| Santorin | um 1600 v. Chr. | 7 | Akrotiri unter Bimsstein, Caldera der Ägäis |
| Vesuv | 79 | 5 | Pompeji, erster Augenzeugenbericht |
| Laki | 1783 | 6 | größter Lavaausbruch der historischen Zeit |
| Tambora | 1815 | 7 | Jahr ohne Sommer 1816 |
| Krakatau | 1883 | 6 | Tsunami, erste Katastrophe per Telegraf |
| Mont Pelée | 1902 | 4 | Entdeckung der Glutwolke |
| Pinatubo | 1991 | 6 | Klimaabkühlung, geglückte Evakuierung |
| Hunga Tonga | 2022 | 5 | höchste je gemessene Eruptionssäule |
Die Spalte VEI nennt den Vulkanexplosivitätsindex. Er reicht von 0 bis 8, und jede Stufe steht für die zehnfache Menge ausgeworfenen Materials. Ein VEI 7 wie bei Tambora tritt im Schnitt etwa alle tausend Jahre auf, ein VEI 8 alle paar Zehntausend.
Quellen
- Smithsonian Global Volcanism Program - Ausbruchsdaten und VEI-Einstufungen
- USGS: Principal Types of Volcanoes - Ausbruchstypen und Begriffe